Die letzten Täler I - 04. Versunkene Welt
Um 07.00 Uhr machen wir uns auf, um uns in Friaul auf die Suche nach den vergessenen Geisterdörfern zu machen, deren Blütezeit eine kleine Ewigkeit zurückliegt und denen das Erdbeben von 1976 das endgültige Garaus gemacht hat. Etwa eine Stunde und zwanzig Minuten später befinden wir uns in Moggio Udinese Alto, wo wir zu unserer Wanderung aufbrechen.

Kurze Zeit bewegen wir uns auf Asphalt, bis wir den Wanderweg Nr. 418 (”Moggessa di qua”) erreichen. Es geht in unzähligen Serpentinen nach oben und etwa eine Stunde nach Aufbruch erreichen wir einen Sattel mit einem Bildstock.

Kurz darauf geht es weiter und wir steigen auf schönen, in den Berg gegossenen und mit Blockgestein gepflasterten Wegen nach Moggessa di qua ab.

Moggessa di qua ist ein verfallenes Dörfchen und der wohl eindruckvollste Zeuge des großen Bebens Mitte der achtziger Jahre. Nunmehr erobert sich die Natur rücksichtslos ihren ursprünglichen Platz zurück.

Nach ausgiebiger Ortsbesichtigung mampfen wir eine Wurstsemmel und wandern anschließend weiter bis Moggessa di la.

Moggessa di la zeigt sich ähnlich verlassen wie sein Pendent an der gegenüberliegenden Bergseite. In beiden Orten entdecken wir jeweils einen einzigen Menschen. Dennoch zeigen einige angebrachte Satellitenantennen auf eine zumindest gelegentliche Bewohnung dieses Geisterdorfs. Bei einem Brunnen schöpfen wir Wasser.

Wir sind etwa zweieinhalb Stunden unterwegs als wir mit dem steilen Abstieg in die Schlucht beginnen. Immer wieder begegnen uns Frühlingsboten in Form von Primelnstöcken und unzähligen Eidechsen, die offenbar wissen wollen, was zwei Menschen in dieser Einsamkeit zu suchen haben. Wir gelangen in die Schlucht und widmen uns unserer nächsten Herausforderung: Der Durchwatung des Torrente Glango. Also raus aus Schuhen und Socken und im eiskalten Wasser rübergestackst.

Anschließend geht es extrem steil etwa dreihundert Höhenmeter wieder hoch. Wir sind etwa vier Stunden unterwegs als wir das sympathische Örtchen Stavoli erreichen. Auch hier besichtigen wir die Ruinen und treffen auf exakt einen Menschen.

Anschließend nehmen wir den falschen Weg, ein Irrtum, der uns etwa fünfzehn Minuten kostet, uns jedoch einen wunderbar alten Kulturpfad näherbringt. Am richtigen Weg angelangt, geht es wieder überaus steil - nunmehr abwärts - neuerlich in die Schlucht des Torrente Glango, den wir dieses Mal auf einer mehr oder weniger stabilen Eisenbrücke überqueren.

Schließlich schlendern wir links des Flusses eine scheinbare Ewigkeit auf einem sympathischen, aber nicht wenig anstrengenden Pfad, bis wir Campiolo di sopra erreichen. Von dort geht es in etwa fünfzehn Minuten bis Moggio Udinese und schließlich über begrünte Treppen zu unserem Ausgangspunkt zurück.

Insgesamt sind wir sechs Stunden und fünfundvierzig Minuten unterwegs.
