Die letzten Täler I - 01. Death Valley
Um 08.10 Uhr brechen wir heute im malerischen und archetektonisch modernen Riofreddo, etwa fünf Kilometer von Tarvis gelegen, auf. Auf einem hübschen Forstweg steigen wir ständig leicht bergauf, bis sich das Tal nach etwa dreißig Minuten weitet und hervorragende Ausblicke auf die schneeverhangene Gipfelkette rund um Montasch (Jof di Montasio) und Wischberg (Jof di Fuart), mithin über den gesamten Gamsmutterzug, bietet.

Etwa fünfundsiebzig Minuten nach dem Aufbruch erreichen wir eine wunderschöne Lichtung im Valle di Riofreddo. Die folgende Querung des namensgebenden Flusses erweist sich schwieriger als gedacht. Der auf Grund der Schneeschmelze zu einem beachtlichen Gebirgsgewässer angewachsene Riofreddo stellt aber kein unüberbrückbares Hindernis dar. Sabine stakst rüber, ich hüpfe ein paar Mal und wir befinden uns auf der orographisch rechten Uferseite. Durch den Wald geht es anschließend etwa vierhundert Höhenmeter steil bergauf.

Immer wieder queren wir Altschneefelder und sinken bis zur Hüfte ein. Schließlich erreichen wir aber Sella della Cave, den bewaldeten Sattel zwischen dem Predil- und dem Riofreddotal. Wir pausieren und gönnen uns eine wohlverdiente Wurstsemmel.
Nach fünfzehn Minuten beginnt der schöne, doch sehr rutschige Abstieg im Wald. Wir erreichen eine Forststraße und wandern vorerst linkerhand, um nach kurzer Zeit einen Aussichtspunkt bei einem verfallenen Stollengebäude aufzusuchen. Nach kurzer Besichtigung kehren wir um und spazieren dem Forstweg entlang in Richtung Cave del Predil. Verlassene Ruinen weisen uns den Weg zu den einst größten Blei-Zink-Bergwerken im Alpenraum. Wir halten uns nur kurz in Raibl auf, da wir eine Durchquerung für später planen.

Auf der alten Passstraße, nunmehr ein verwachsener Pfad, schlendern wir gemütlich bergauf bis sich erste Blicke auf den Lago del Predil auftun.

Zwanzig Minuten nach dem Aufbruch in Cave del Predil biegen wir rechts in einen Waldpfad und steigen zum Lago del Predil ab, wo wir das zugehörige Cafe um exakt 13.00 Uhr erreichen. Die uns dort aufgetischte italienische Kulinarität besteht aus Gösser-Bier und Apfelstrudel.

Wir verweilen etwa fünfzig Minuten am zauberhaften See bis wir wieder aufbrechen. Vorerst im Wald, später der Hauptstraße entlang, geht es wieder nach Cave del Predil.


In Raibl (deutsch für Cave del Predil) passieren wir - ein Verbotsschild ignorierend - einen Schranken und besichtigen das riesige Bergwerksgelände der 1992 stillgelegten Anlage. Stellvertretend für die gesamte Region Friauls erobert sich hier die Natur ihren ursprünglichen Platz zurück, wenn auch offensichtlich noch einige Arbeitnehmer am Werksgelände beschäftigt werden. Lange wandern wir links der riesigen Abraumhalde entlang und bedauern, dass sämtliche Stolleneingänge zugemauert oder verschlossen wurden.

Bei Muda, einem vergessenen Ort bestehend aus vier Ruinen, erreichen wir wieder die Hauptstraße und zweigen nach etwa zweihundert Metern - wiederum ein Verbotsschild ignorierend - nach links ab. Wir erreichen eine Wehr am Rio del Lago und schlagen uns mangels Alternativen auf einem längst verfallenen Wanderweg mit leichten Klettereinlagen durch die Botanik. Schließlich erreichen wir ein nettes Forststräßchen, welches wir entlangwandern, bis wir sieben Stunden und zwanzig Minuten nach Aufbruch unseren Ausgangspunkt, das malerische Riofreddo, erreichen.
