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Von Wetterhexen im Glödnitztal

Vom Westen über den Eisenhut kommen oft furchtbare Hagelwetter über das Glödnitztal und zerschlagen die ganze Ernte. Machtlos sind alle gegen diese Gewalten. Aber im Volk lebt der Glaube, dass solche Wetter von Hexen gemacht werden, die mit dem Teufel oder anderen Unholden im Bund sind. Heute noch wird vor solchem Wetter geläutet, während man vom Wetterschießen abgekommen ist. Aber geweihte Kerzen werden noch vielfach entzündet und in der Herdgrube geweihte Palmzweige von Palmbuschen verbrannt. Auch drei Hagelkörner wirft man in die Herdgrube, wo geweihtes Feuer brennt, und die Unholde verlieren ihre Macht über Menschen, Tiere und Saaten. Vor der wachsenden Aufklärung scheint dieser alte Glaube rasch dahin, und nur das scherzende Wort ist noch geblieben, mit dem bei bösem Wetter einer dem anderen lachend zuruft: "Tuest du so wetterzawern?", wobei man an das unheilige Brenteln denkt.
  Es war einmal eine Bäuerin, die auch wetterzaubern konnte. Einmal ging sie aus dem Haus und sagte dabei zur Dirn: "Wann's Wetter kimmt, tu alle Aschn von der Herdgrubn auf die rechte Seitn räumen!" Dann ging sie fort. Bald darauf kam ein furchtbares Schauerwetter. Die Dirn tat die Asche aus Versehen auf die linke Seite, und das Hagelwetter ging gerade auf den Feldern und Wiesen des eigenen Hofes nieder, dass alles kleingeschlagen wurde, während es sonst beim Nachbar niedergegangen wäre, dem es die Wetterhexe bemeint hatte.
  Eine andere Bäuerin ging oft sontags mit einem Gstrickat (Strickstrumpf) fort. Einmal sagte sie zur Dirn, sie solle beim Auskehren der Marstube drei Ecken ungekehrt lassen. Das tat die Dirn denn auch, und wenn das Wetter kam, blieben die eigenen Felder verschont. Einmal kehrte sie aber vorwitzig alle vier Ecken rein, da kam das Hagelwetter fürchterlich heran und erschlug auch die Felder der Bäuerin und ihren schönen Krautgarten. Seitdem ließ sie das Hexen bleiben.


 

 
   © 2006 by Markus Ertl •  markus.ertl@ktn.gde.at