2. Oktober 2011
Ein großartiger Klettersteigtag. Zudem die Bewältigung unserer ersten D/E-Steige. Anhaltendes Schönwetter und genug Zeit garantieren, dass wir einerseits den sportlichen Klettersteig “Luft unter den Sohlen” in Döbriach am Millstätter See und andererseits den knackigen “Türkenkopf” bei Bad Eisenkappel bewältigen. Fairerweise muss mitgeteilt werden, dass wir das vorher keineswegs so ausgemacht hatten.
Döbriach klingt perfekt. Nur etwa eine Stunde entfernt und als schwieriger Steig bekannt. Wir parken bei der Kirche und spazieren bis zum Einstieg zum Kletterpark nördlich der Ortschaft. Nur kurz darauf öffnet sich uns der riesige Kletterfelsen.

Abb. 1: Breitwand
Wir steigen bis zum Einstieg am steilen Felsen und beobachten zwei Personen im Vorstieg. Sieht knackig und sportlich aus. Interessant und fordernd, die angeblich schwierige D/E-Stelle am Ende ist kaum auszumachen. Ich versuche mich bereits am steilen Einstiegsstück, dann geht es leichter weiter. Eine steile Wand folgt, dann leichteres Steiggelände. Schließlich ausgesetzte Kletterei (D), kräfteraubend und spektakulär. Dieser Steig ist wirklich sportlich. Armkraft ist mangels anderer technischer Möglichkeiten gefordert.

Abb. 2: Aufwärts
Eine steile Rinne wird gequert, dann geht es zu einem schmalen Plateau, auf dem sich eine Bank und das Wandbuch befinden.

Abb. 3: Schon weit oben

Abb. 4: Sigis Bank (echt notwendig)
Dass die Rast auf der Bank echt nötig gewesen wäre, bemerke ich im weiteren Aufstieg. Zuerst geht es ja nur über Platten (D) aufwärts, doch dann folgt eine äußerst schwierige und vor allem lange und kraftaufreibende Anstiegsquerung (D/E) bis zum angebrachten Fahnenmasten. Es ist besonders diffizil, mitten im überhängenden Aufstieg die Sicherungen zu wechseln. Während ich mir bis zum Wandbuch noch sicher bin, dass dieser Steig den Falkensteig am Falkert an Schwierigkeiten keineswegs schlagen kann, bin ich spontan aber mit völliger Überzeugung anderer Meinung.
Nach Überwindung der sehr schweren D/E-Stelle allerdings geht es leicht weiter und etwa 45 Minuten nach Start habe ich den Steig bewältigt. Der Abstieg - ca. 20 Minuten - ist lustig über Stock und Stein. Da haben wir uns doch eine leckere Mittags-Brettl-Jause beim Gasthof Bergfried hoch über dem Millstätter See verdient!

Abb. 5: Ausblicke auf den Millstätter See
Langsam und gut gelaunt fahren wir wieder Richtung Klagenfurt. Dann weiter. Wenn schon (es ist ja erst kurz nach Mittag), dann muss auch der legendäre Türkenkopf daran glauben. Um etwa zwei Uhr nachmittags befinden wir uns an dessen Einstieg in der Nähe vor Bad Eisenkappel.
Bereits der Anstieg, der vorerst direkt oberhalb der Vellach erfolgt, ist knackig. Steile Stellen wechseln sich mit knifflig-technischen Bereichen ab. Armkraft ist ein Muss, wenn auch der Fels sehr griffig und ausgeprägt ist.

Abb. 6: Aufstieg oberhalb der Vellach
Der erst vor einigen Jahren eröffnete Steig ist ein spektakulärer Genuss. Da es Nachmittag ist, steigen wir durchgehend - zum Glück - im Schatten. Bis zum großen Pfeiler und der Verschneidung ist der Steig relativ lustig zu begehen. Dann kommt die Hauptwand …

Abb. 7: Ausgesetzter Überstieg
… und mit ihr die Schlüsselstelle: Sabine und ich lachen, als wir die leichte Querung, den Überhang, sehen. Nachdem wir bemerken, dass nach der Querung die schwierige Passage - ohne dass eine Pause möglich wäre - anhält, lassen wir das Lachen (nur sehr kurz) sein und kämpfen uns weiter.
Abb. 8: Schaut lustig aus (und ist es auch)
Bald realisieren wir, dass wir die Hauptwand durchstiegen haben. Die Freude über die bewältigte D/E-Stelle ist naturgemäß groß.

Abb. 9: Abhängen (nach der Schlüsselstelle)
Der weitere Aufstieg und der anschließende Abstieg sind simpel, wenn auch nicht zu unterschätzen. Insgesamt sind wir sehr froh, jenen Klettersteig, der von uns regelmäßig konsultiert werden kann, erstmals und ohne Probleme absolviert zu haben.

Abb. 10: Abstieg
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25. September 2011
Der Cellon (Frischenkofel) war im Ersten Weltkrieg neben dem Kleinen Pal und der Kellerwand der am stärksten umkämpfte Gipfel der Karnischen Alpen. In unendlich leidvollen Schlachten bekämpften sich hier Italiener und Österreicher aus allen Teilen der Monarchie mit brutaler Härte bei widrigsten Bedingungen. Aus heutiger Sicht erscheinen die Motive für diesen Irrsinn nicht mehr greifbar. Den Italienern gelang es kurz, den Cellon zu erobern. Dann kam der Gendarmeriebeamte Steinberger, stieg nachts über den heute als “Steinbergerweg” bekannten gefährlichen Steig auf und schoss den Gegner wieder vom Gipfel. Mehr als 700 Tote aus allen Winkeln des ehemaligen Großreichs liegen heute auf den Soldatenfriedhöfen rund um den Plöckenpass. Aus den einstigen Feinden wurde Freunde. Sichtbares Zeichen ist der ehemals als “Bergführerweg” bekannte “Klettersteig Ohne Grenzen (Ferrata senza confini)”, der direkt von den ehemaligen österreichischen Stellungen auf der Cellonschulter sehr ausgesetzt zum Gipfel führt.
Als Zustiegsvariante wählen wir - nachdem wir den neuen und äußerst attraktiven “Oberst-Grässl-Klettersteig” bereits zweimal bewältigt haben - den leichten (aber sehr dunklen) Klettersteig durch den Cellonstollen, der den österreichischen Soldaten als relativ sicherer Nachschubweg diente. Während Sabine lässig mit einer Stirnlampe bestückt ist, klemme ich eine kleine Taschenlampe zwischen meine Zähne und stakse nach oben.

Abb. 1: Im Cellonstollen (schaut lustig aus, ist aber total dunkel)
Um ca. 09.15 Uhr - etwa eine Stunde nach Aufbruch - erreichen wir den Ausstieg aus dem sympathischen aber eher dunklen Stollen. Die Stollenmonster gelangen an die Oberfläche, wo nach wie vor Nebel dominiert.

Abb. 2: Ausstieg
Beeindruckt von den Leistungen der Soldaten im Ersten Weltkrieg queren wir die ehemaligen österreichischen Stellungen. Der Cellon ist wie ein Schweizer Käse mit Löchern durchzogen. Langsam lichten sich die Nebel.

Abb. 3: Frischenkofel aus dem Nebel

Abb. 4: Vor dem Bergpanorama
Auf unmarkiertem Weg geht es über Blockgestein nach oben. Wir bemerken, dass der Cellon heute ein sehr beliebtes Ziel sein wird und erreichen bald die Abzweigung von Steinbergerweg und Senza Confini Klettersteig. Entgegen der Unternehmung im letzten Frühjahr entscheiden wir uns heute für den schwierigeren Weg ohne Grenzen.

Abb. 5: Zwiegespräch mit dem Fels
Es gilt noch ein wenig aufzusteigen, bis wir um etwa halb elf Uhr eine erste Pause einlegen und unsere leckere Wurstsemmel mampfen. Das Bier hat noch zu warten, immerhin liegt ein knackiger Steig vor uns. Gut, gegen ein Schlückchen Zirbenschnaps ist nichts einzuwenden. Einer Völkerwanderung gleich geht es die ersten Meter nach oben.

Abb. 6: Aufstieg
Der Klettersteig hat modernen Charakter mit ausgesetzten, kraftraubenden Abschnitten. Die wechselnde Szenerie macht ihm zu einem besonderen Steig. Im engen Kamin (D) tun sich unsere Vorsteiger schwer, doch mit etwas Geschick und den vielen Klettersteigkilometern, die wir bereits in den Füßen haben, meistern wir diesen locker. Wir gelangen zu mehreren Scharten, dann zu einem steilen Riss, wo es uns gegönnt ist, unsere Vorsteiger zu überholen. Ich persönlich tue mir am folgenden steilen und abgedrängten, sehr schrägen Riss am schwersten, gelange jedoch zügig weiter. Wir queren ein lustiges Gratstück.

Abb. 7: Am Grat

Abb. 8: Letzter Aufstieg
Schon bald danach erreichen wir den Ausstieg des äußerst attraktiven und spaßigen Senza-Confini-Steigs. Weiter geht es aufwärts. Zehn Minuten später, es ist Mittag, erreichen wir den Gipfel des ehemals massiv umkämpften Cellon (Frischenkofel).

Abb. 9: Gipfel
Jetzt natürlich haben wir uns unser Bier und eine lange Pause verdient. Der Cellon ist der einzige Gipfel Österreichs, von dem man an klaren Tagen das Meer - die Bucht von Triest - sieht. Auch wenn uns dies heute nicht gegönnt ist, genießen wir die fabelhafte Aussicht vom beeindruckenden Grenzberg. Wenig weit entfernt querten wir kürzlich auf unserem Weg auf die Hohe Warte das Valentintörl. Noch weniger weit entfernt befindet sich das Eiskar, der südlichste und einer der kleinsten Gletscher Österreichs.

Abb. 10: Blick nach Süden
Irgendwann - genau zehn Minuten vor ein Uhr nachmittags - wird es Zeit, wieder abzusteigen. Dafür erscheint uns der Normalweg gerade gut genug. Vorbei an den vielen alten verfallenen Kriegsstellungen geht es gemütlich aber zügig nach unten.

Abb. 11: Am Weg
Nach etwas mehr als einer Stunde erreichen wir die Einmündung mit dem uns bereits vom Oberst-Grässl-Weg bekannten Abstieg. Es geht weiter runter. Um etwa 14.15 Uhr erreichen wir unseren Ausgangspunkt am Plöckenpass. Wie jede Tour in dieser Gegend, hat uns der Ausflug auf dem Cellon viel Spass gemacht. Wir empfinden es als Privileg, heute diesen Berg besuchen zu dürfen, während sich nur wenige Generationen zuvor solch grausame Szenen ereignet haben. Wir hoffen auf eine neue Zeit.

Abb. 12: Rückblick
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21. August 2011
Nachdem wir bereits im letzten Jahr den kniffligen Falkensteig auf den Falkert bezwungen haben, uns das Wetter aber im heurigen Jahr einen Strich durch die Rechnung machte, wollen wir den Steig heuer endgültig bezwingen. Nachdem es sehr heiß ist, starten wir erst am früheren Nachmittag in Richtung Falkertsee, müssen jedoch bald darauf erkennen, dass die Temperatur in 2.500 Metern Höhe keinen Unterschied zum hitzigen Klagenfurt aufweist.

Abb. 1: Falkertsee
Schon im Zustieg zum Klettersteig schwitzten wir, es war heiß, heiß und heiß. 30° auf 2.500 m Höhe ist einfach heiß. Dennoch erreichen wir den Einstieg und stacksen geschwind die ersten Meter und die schwierigste Schlüsselstelle, die Verschneidung, hoch.

Abb. 2: Aufstieg nach der Verschneidung
Die Sonne brennt, brennt und brennt. Der Steig ist grasig und staubig, der Felsen ist trocken und porös.

Abb. 3: Heiß
Wir steigen auf. Weiter ist es heiß, heiß, heiß (bin heute nicht sehr kreativ).

Abb. 4: Rauf in der Hitze
Am Notausstieg sitzen wir kurz und gönnen uns einen Liter Wasser. Die Hitze nimmt nicht ab, auch unsere Hoffnung, den Steig wenigstens teilweise auf Grund des fortgeschrittenen Tages im Schatten vorzufinden, wird nicht bestätigt. Weiter geht es.

Abb. 5: Querung
In der brennenden Hitze steigen wir weiter auf. Der Falkensteig ist technisch knifflig und für die Armmuskulatur sehr belastend. Dennoch macht es unendlich Spaß, sich am (trockenen und heißen) Fels klettertechnisch zu üben. Kurz vor dem Ausstieg erreichen wir den Seilübergang.

Abb. 6: Seilübergang
Die letzte Schlüsselstelle, ein C/D-Abstieg, macht uns wie im letzten Jahr nur wenig zu schaffen. Auch die letzten Meter meistern wir in gewohnter bravuröser Technik. Weiter ist es heiß, heiß und heiß.
Abb. 7: Die letzten Meter
Wir erreichen den Ausstieg, hauen uns auf die Bank und genießen ein (nicht mehr kühles) Bier. Ein lustiger Schweißhund namens Charly leistet uns Gesellschaft. Schließlich steigen wir in der Hitze ab und sind froh, dass wir schon bald das klimatisierte Auto erreichen.

Abb. 8: Rückweg
Die Hitze macht den Klettersteig zu einem außergewöhnlichen Ereignis. Dennoch war Sabines Einfall, den Falkensteig zu bezwingen, absolut perfekt
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