25. September 2011

Cellon (2.241 m) über Senza Confini Steig

Abgelegt unter: Klettersteige, Wandern — Markus Ertl @ 20:30

Der Cellon (Frischenkofel) war im Ersten Weltkrieg neben dem Kleinen Pal und der Kellerwand der am stärksten umkämpfte Gipfel der Karnischen Alpen. In unendlich leidvollen Schlachten bekämpften sich hier Italiener und Österreicher aus allen Teilen der Monarchie mit brutaler Härte bei widrigsten Bedingungen. Aus heutiger Sicht erscheinen die Motive für diesen Irrsinn nicht mehr greifbar. Den Italienern gelang es kurz, den Cellon zu erobern. Dann kam der Gendarmeriebeamte Steinberger, stieg nachts über den heute als “Steinbergerweg” bekannten gefährlichen Steig auf und schoss den Gegner wieder vom Gipfel. Mehr als 700 Tote aus allen Winkeln des ehemaligen Großreichs liegen heute auf den Soldatenfriedhöfen rund um den Plöckenpass. Aus den einstigen Feinden wurde Freunde. Sichtbares Zeichen ist der ehemals als “Bergführerweg” bekannte “Klettersteig Ohne Grenzen (Ferrata senza confini)”, der direkt von den ehemaligen österreichischen Stellungen auf der Cellonschulter sehr ausgesetzt zum Gipfel führt.

Als Zustiegsvariante wählen wir - nachdem wir den neuen und äußerst attraktiven “Oberst-Grässl-Klettersteig” bereits zweimal bewältigt haben - den leichten (aber sehr dunklen) Klettersteig durch den Cellonstollen, der den österreichischen Soldaten als relativ sicherer Nachschubweg diente. Während Sabine lässig mit einer Stirnlampe bestückt ist, klemme ich eine kleine Taschenlampe zwischen meine Zähne und stakse nach oben.

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Abb. 1: Im Cellonstollen (schaut lustig aus, ist aber total dunkel)

Um ca. 09.15 Uhr - etwa eine Stunde nach Aufbruch - erreichen wir den Ausstieg aus dem sympathischen aber eher dunklen Stollen. Die Stollenmonster gelangen an die Oberfläche, wo nach wie vor Nebel dominiert.

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Abb. 2: Ausstieg

Beeindruckt von den Leistungen der Soldaten im Ersten Weltkrieg queren wir die ehemaligen österreichischen Stellungen. Der Cellon ist wie ein Schweizer Käse mit Löchern durchzogen. Langsam lichten sich die Nebel.

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Abb. 3: Frischenkofel aus dem Nebel

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Abb. 4: Vor dem Bergpanorama

Auf unmarkiertem Weg geht es über Blockgestein nach oben. Wir bemerken, dass der Cellon heute ein sehr beliebtes Ziel sein wird und erreichen bald die Abzweigung von Steinbergerweg und Senza Confini Klettersteig. Entgegen der Unternehmung im letzten Frühjahr entscheiden wir uns heute für den schwierigeren Weg ohne Grenzen.

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Abb. 5: Zwiegespräch mit dem Fels

Es gilt noch ein wenig aufzusteigen, bis wir um etwa halb elf Uhr eine erste Pause einlegen und unsere leckere Wurstsemmel mampfen. Das Bier hat noch zu warten, immerhin liegt ein knackiger Steig vor uns. Gut, gegen ein Schlückchen Zirbenschnaps ist nichts einzuwenden. Einer Völkerwanderung gleich geht es die ersten Meter nach oben.

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Abb. 6: Aufstieg

Der Klettersteig hat modernen Charakter mit ausgesetzten, kraftraubenden Abschnitten. Die wechselnde Szenerie macht ihm zu einem besonderen Steig. Im engen Kamin (D) tun sich unsere Vorsteiger schwer, doch mit etwas Geschick und den vielen Klettersteigkilometern, die wir bereits in den Füßen haben, meistern wir diesen locker. Wir gelangen zu mehreren Scharten, dann zu einem steilen Riss, wo es uns gegönnt ist, unsere Vorsteiger zu überholen. Ich persönlich tue mir am folgenden steilen und abgedrängten, sehr schrägen Riss am schwersten, gelange jedoch zügig weiter. Wir queren ein lustiges Gratstück.

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Abb. 7: Am Grat

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Abb. 8: Letzter Aufstieg

Schon bald danach erreichen wir den Ausstieg des äußerst attraktiven und spaßigen Senza-Confini-Steigs. Weiter geht es aufwärts. Zehn Minuten später, es ist Mittag, erreichen wir den Gipfel des ehemals massiv umkämpften Cellon (Frischenkofel).

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Abb. 9: Gipfel

Jetzt natürlich haben wir uns unser Bier und eine lange Pause verdient. Der Cellon ist der einzige Gipfel Österreichs, von dem man an klaren Tagen das Meer - die Bucht von Triest - sieht. Auch wenn uns dies heute nicht gegönnt ist, genießen wir die fabelhafte Aussicht vom beeindruckenden Grenzberg. Wenig weit entfernt querten wir kürzlich auf unserem Weg auf die Hohe Warte das Valentintörl. Noch weniger weit entfernt befindet sich das Eiskar, der südlichste und einer der kleinsten Gletscher Österreichs.

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Abb. 10: Blick nach Süden

Irgendwann - genau zehn Minuten vor ein Uhr nachmittags - wird es Zeit, wieder abzusteigen. Dafür erscheint uns der Normalweg gerade gut genug. Vorbei an den vielen alten verfallenen Kriegsstellungen geht es gemütlich aber zügig nach unten.

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Abb. 11: Am Weg

Nach etwas mehr als einer Stunde erreichen wir die Einmündung mit dem uns bereits vom Oberst-Grässl-Weg bekannten Abstieg. Es geht weiter runter. Um etwa 14.15 Uhr erreichen wir unseren Ausgangspunkt am Plöckenpass. Wie jede Tour in dieser Gegend, hat uns der Ausflug auf dem Cellon viel Spass gemacht. Wir empfinden es als Privileg, heute diesen Berg besuchen zu dürfen, während sich nur wenige Generationen zuvor solch grausame Szenen ereignet haben. Wir hoffen auf eine neue Zeit.

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Abb. 12: Rückblick