31. Juli 2010

Am Bleder See

Abgelegt unter: Kultur — Markus Ertl @ 19:01

SeeAbb. 1: Bleder See und Burg

SeeAbb. 2: Rast am See

SabineAbb. 3: Sabine

MarkusAbb. 4: Markus

10. Juli 2010

Falkert (2.308 m) über Falken-Klettersteig

Abgelegt unter: Klettersteige, Wandern — Markus Ertl @ 11:32

Heute geht es schon sehr früh los und bereits um 06.00 Uhr morgens befinden wir uns am Parkplatz am Falkertsee. Die heutige Herausforderung ist der im Vorjahr errichtete und in seiner Wertigkeit umstrittene  Klettersteig, der auf den Falkertspitz führt.

Morgenidylle
Abb. 1: Morgenidylle am Falkertsee

Vorerst wandern wir die Schotterstraße, später dem Wanderpfad entlang, bis wir zur markierten Abzweigung Richtung Falkensteig gelangen.

Abzweigung
Abb. 2: Abzweigung

Rund um den jungen Klettersteig gibt es bereits die wüstesten Gerüchte über Notfallbergungen und angeblich außerordentlichen Schwierigkeiten. Auf der topografischen Übersicht am Zustieg wird in den schweren Stellen von C/D gesprochen, namhafte Autoren von Klettersteigfibeln bewerten den Steig mit D und in diversen Internetforen wird ihm teils auch die extreme Klasse E zugeschrieben. Unbeeindruckt von diesen akademischen Streitigkeiten steigen wir steil bergauf und erreichen den Einstieg, wo es gleich in einer Schlüsselstelle, einer sehr engen Verschneidung, steil bergan geht.

Verschneidung
Abb. 3: Sehr enge Verschneidung

Ähnlich schwer geht es weiter. Die höchst exponierten Aufstiegsstellen erfordern einen für andere Klettersteige äußerst ungewöhnlich hohen Einsatz der Armkraft.

Sabine kommt
Abb. 4: Sabine kommt nach oben

Jedenfalls haben wir den richtigen Zeitraum gewählt, um den Steig zu begehen. Bei Nässe und Glätte wäre dieses Unterfangen ein Himmelfahrtskommando. So aber genießen wir die fordernden Anstiege und rasten hie und da kurz.

Rast
Abb. 5: Rast im Fels

Die Seilbrücke kurz vor dem Ausstieg meistern wir - nachdem wir im heurigen Jahr bereits eine Vielzahl solcher begangen sind - mit Bravour und auch eine angebliche Schlüsselstelle, ein kurzer, überhängender Abstieg, wird von uns nicht als solche erkannt.

Seilbrücke
Abb. 6: Seilbrücke

Nach einigen Höhenmetern befinden wir uns am Ausstieg. Insgesamt haben wir etwa eine Stunde und fünf Minuten in der Wand verbracht (nach einem etwa dreißigminütigen Zustieg). Schließlich gelangen wir in weiteren fünfzehn Minuten zum Gipfel des Falkert-Spitzes, wo wiederkäuende Schafe genüsslich vor sich hin vegetieren.

Geschafft
Abb. 7: Geschafft!

Wir essen eine Wurstsemmel, genehmigen uns wie üblich unseren Gipfelvodka und lassen das traumhafte Bergpanorama fast eine Stunde lang auf uns einwirken.

Julier
Abb. 8: Blicke auf Mangart, Jalovec, Montasch & Co.

Um etwa neun Uhr steigen wir in einer dreiviertel Stunde zum Falkertsee ab. Langsam beginnen sich die Touristenhorden auf den nockbergetypisch grasigen Wegen den Gipfeln zuzuwenden. Wir genehmigen uns einstweilen ein kühles Bier am Falkertseehaus.

Gipfel
Abb. 9: Am Falkertgipfel

3. Juli 2010

Mangart (2.677 m)

Abgelegt unter: Klettersteige, Wandern — Markus Ertl @ 18:42

Angenommen, Sie müssten Ihren Lieblingsberg benennen. Welchen würden Sie sich aussuchen? Den Lhotse ließen wir noch gelten (7.000 Höhenmeter Sicht nach unten), aber in Europa müsste es natürlich der Mangart sein, der charakteristisch-prägnante Gipfel in den Julischen Alpen, über dessen Gipfelgrat die slowenisch-italienische Grenze verläuft. Eben diesen Mangart haben wir heute respektvoll absolviert und dabei einige Überraschungen erlebt.

Um kurz nach sechs Uhr morgens treffen wir uns mit Mike in Villach und kurven anschließend über den Predil-Pass und die lustige Mangart-Mautstraße. Eine Stunde später starten wir in einen wunderbaren Tag, der unerwartete Highlights bietet.

Mike und SabineAbb. 1: Sabine und Mike am Start

Natürlich wollen wir uns der charakteristischen Berggestalt des Mangart nicht in ordinärer Manier wie die vielen Slowenen und Italiener nähern. Natürlich steigen wir nicht den einfachen Weg nach oben. Natürlich auch nicht den angeblich leichten slowenischen Klettersteig. Wenn schon, dann nähern wir uns dem wunderschönen Gipfel über seine herausforderndste Seite, die italienische in Form der Via Ferrata Italiana.

AbstiegAbb. 2: Abstieg zur Ferrata Italiana

PassAbb. 3: Slowenisch-italienischer Grenzpass

Wir steigen also kurz auf und dann nach unten. Auf Bruchschotter weit nach unten bis zum Biwak Nogara mit hervorragendem Blick auf das wunderschöne Schutzgebiet rund um die Weißenfelser Seen. Am Biwak Nogara, wo uns zwei verschlafene Gesichter und drei im Schnee frierende Gösser-Dosen traurig anblicken, befinden wir uns etwa eine Stunde nach Aufbruch.

BiwakAbb. 4: Biwak Nogara

Wir marschieren gleich weiter aufwärts, den kleinen Mangart nunmehr umschreitend. Schließlich erblicken wir den Einstieg zum umwerfenden italienischen Klettersteig. Wir pausieren kurz und legen uns das Klettergeschirr an.

AusblickAbb. 5: Blick zum ausgesetztesten Klettersteig der Julier

Wir queren das erste - wirklich tiefe - Schneefeld. Das sich während unser heutigen Wanderung noch unzählige rutschige und fette Schneefelder auf uns freuen, wissen wir jetzt natürlich noch nicht.

Erstes SchneefeldAbb. 6: Ein sehr fettes Schneefeld

Dann steigen wir ein. Die Wand hält was sie verspricht. Die Vormittagssonne treibt uns und wir machen Höhenmeter. Wir queren die sympathischen Höhlenlöcher.

MaulwurfAbb. 7: Maulwurfgleich gleitet Sabine aus dem Loch

Die Via Italiana ist ein Traum. Sie ist technisch einfach aber extrem ausgesetzt. Manche Autoren sprechen auch vom ausgesetztesten Klettersteig der Julischen Alpen. Es macht einfach irrsinnig viel Spaß nach oben zu klettern.

AufwärtsAbb. 8: Es geht aufwärts

Offen gesagt, können wir besagte Autoren auch verstehen. Spätestens am Felsen, an dem es mehr als 1.500 Höhenmeter nach unten geht, der jedoch hervorragend gesichert ist, wissen wir, warum die Via Italiana den Respekt der Kletterer verdient.

AusgesetztAbb. 9: Hier geht es wirklich sehr sehr weit nach unten

Die Ferrata ist ein Traum. Doch dauert sie nicht ewig und wir beschließen, an einem kleinen Schneefeld rüber zur hochgelobten Ferrata Slovenska zu wechseln. Das Schicksal meint uns nunmehr weniger gut mit uns. Dass dieser Klettersteig gesperrt sein soll, verkünden Schilder, die sich völlig außer Sichtweite unserer Route befinden und wir demgemäß auch erst im Abstieg bemerken.

Es ist der Schrecken des Schnees und des Winters. Es dauert nicht lange und ein grinsendes tiefes Schneefeld blickt uns ins Gesicht. Wir queren, klettern und steigen vorsichtig wie nie zuvor. Dann kommen seine großen Brüder.

Erstes SchneefeldAbb. 10: Erstes Schneefeld, noch freundlich

Der slowenische Klettersteig auf den Mangart ist derzeit kein Klettersteig. Es ist eine Freikletterei im 2+ - Stil, gewürzt mit einer Unzahl an fordernden Situationen. Wir glauben, das Schlimmste hinter uns zu haben und irren. Wir steigen weiter über Schneefelder. Wir steigen weiter über rutschige Felsen. Und erreichen schließlich jenen Abhang, den wir später als die Begründung der Sperre des Klettersteigs ausfindig machen.

Der Steig ist auf Grund eines Steinabbruches völlig zerstört. Mein Versuch eines Spreizschrittes auf einen Bügel, der sich über jener Stelle, unter der sich einst ein riesiger Stein war, befindet, scheitert völlig. Also halt irgendwie geradewegs nach oben, vorbei an schlimmen Schneefeldern, hinter uns etwa so viele Herausforderungen wie Höhenmeter. Weiter. Nochmals ein Schneefeld, wir sehen einen sympathischen Pfad. Der hört aber gleich auf. Das Schneefeld also zurück und im glitschigen Geröll weiter nach oben. Da kommen uns tatsächlich zwei lustige Slowenen nach.

Wir pausieren kurz und steigen weiter. Schließlich gelangen wir an den Gipfelgrat, den nunmehr Mike mit großen Schritten voran steigt. Etwa vier Stunden und zwanzig Minuten nach Aufbruch erreichen wir den wohl schönsten Gipfel der Julischen Alpen, den Mangart.

MangartAbb. 11: Mangart-Gipfelkreuz im Visier

Die Zipfer-Dose muss sein. Gut, Mike sorry, aber dein winziges Puntigamer war natürlich keine Alternative. Die Dohlen feiern einen Wurstsemmelspender. Wir freuen uns etwa fünfundzwanzig Minuten am Gipfel, bis ein biblischer Exodus über den Normalweg einsetzt.

FutterAbb. 12: Dohlen wollen Futter!

Nette Briten, welche die ganze Strecke nach uns wanderten, im Gegensatz zu uns aber mit Pickel und Seil bewaffnet waren, fotografieren uns.

GipfelfotoAbb. 13: Gipfelfoto

Anschließend geht es an den Abstieg. Dieser ist für etwa 99% der Mangart-Menschen der Aufstieg. Er ist versichert, aber auch ohne Kletterausrüstung leicht zu begehen. Die zahlreichen Schneefelder auch im Abstieg laden natürlich zu den verrücktesten Downhills ein.

DownhillAbb. 14: Downhill am Hintern

Insgesamt sind wir sechs Stunden und zwanzig Minuten unterwegs. Natürlich gönnen wir uns an der slowenischen Mangart-Hütte noch etwas zu trinken. Insgesamt ein einmaliges Erlebnis.